Sunday, March 26, 2006

Fazit nach drei Wochen

Die Chilenen sind ein sehr herzliches Voelkchen. Wahrscheinlich ist das einer der Gruende, warum ich mich hier von Anfang an sehr wohlgefuehlt habe. Meine kleine temporaere Familie ist immer sehr besorgt um meine Schweizer Mitbewohnerin, Andrea, und mich und ich geniesse es, dass sie uns an ihrem Familienleben teilhaben lassen.
Bis jetzt habe ich nur einige kleine Ausfluege machen koennen, da ich ja in der Woche immer in der Schule bin. Ausserdem ist Pta. Arenas einfach von ALLEM weit weg. Die naechste groessere Stadt ist Puerto Natales (wo ich schon war), mit ca. 2000 Einwohnern. Ansonsten kann man noch nach Argentinien reisen (wo ich auch schon war), was allerdings eine 6std. Busfahrt entfernt ist. Und das kulturelle Angebot der Stadt habe ich auch schon abgehaken koennen (es ist ueberschaubar!).
Doch: Am 1. April werde ich eine kleine Expeditionstour auf einem Schiff machen. Wir werden durch die Fjorde und den Beagel Kanal fahren, mehrere Gletscher und Seehundkolonien sehen, nach Puerto Williams fahren (das suedlichste DORF Chiles), nach Ushuaia (die suedlichste STADT Argentinies) und vor Allem zum Kap Hoorn fahren. Ich bin schon sehr gespannt auf diese Fahrt und ich glaube, es wird ein kleines Abendteuer.

Der Schulalltag ist hier um einiges strammer als in Deutschland. Jeden Tag haben die Schueler Unterricht von 8:00 bis 18:20 Uhr. Es gibt zwar eine Mittagspause von 13:00 bis 15:00, trotzdem bin ich nach so einem Schultag immer ziemlich platt. Die Stunden dauern 90 min und nach jeder Stunde koennte ich jedesmal direkt einen Schokoriegel verdruecken, weil es mich so hungrig macht. Trotzdem muss ich sagen, dass mir das Unterrichten hier verdammt viel Spass macht! Die Schueler sind zwischen 14 und 16 und koennen leider nur sehr wenig Englisch, aber da ich Spanisch kann, kann ich ihnen auch vieles erklaeren, was sie auf Englisch nicht verstehen. Ich kann nicht sagen, dass es hier viel strenger und disziplinierter zugeht als in Deutschland, aber die meisten Schueler sind sehr nett zu mir und eigentlich vestehe ich mich mit allen gut. Ich habe zwar keine Lieblings-Schueler, aber Lieblings-Klassen. Mit manchen kann man einfach total gut arbeiten, sie sind interessiert und fragen viel. Aber es gibt auch einige Klassen, die sich ewig an den leichtesten Sachen aufhalten. Manche schalten total ab oder sind einfach ziemlich frech.
Trotzdem macht es mir sehr viel Spass.
Und das Beste ist: Ich hatte immer gedacht, dass Lehramt wohl doch nicht das richtige Studium fuer mich sei. Ich dachte immer, dass ich frueher oder spaeter doch noch etwas anderes machen wuerde. Ich konnte mir nie wirklich vorstellen vor einer Klasse zu stehen und wusste nicht ob ich genuegend Autoritaet haben wuerde.
Und hier mache ich gerade genau die gegenteilige Erfahrung. Sobald ich im Unterricht bin habe ich total viel Energie, die Schueler respektieren mich (obwohl ich nur ein paar Jahre aelter bin als sie) und ich glaube (und hoffe) ihnen gefaellt mein Unterricht. Sie nennen mich immer nur Teacher oder Alena, weil sie sich meinen Nachnamen nicht merken koennen, und in den Pausen auf dem Flur oder nach der Schule auf der Strasse hoere ich immer Stimmchen "teacher, hello teacher". Aber es sind immer so viele Kinder, so dass ich nie weiss wo es herkommt.
Allein fuer diese Erfahrung war es schon Wert hierher zukommen!

Das Essen ist hier noch so eine Sache. Da Pta. Arenas relativ isoliert ist, sind die Menschen daran gewoehnt sehr viel Kartoffeln und Fleisch zu essen, denn Gemuese waechst hier nicht wirklich. Bis vor zehn Jahren war Obst und Gemuese hier unten dreimal so teuer wie im Rest des Landes. Frueher wurde die Ware fuer den Transport eingefroren und hier unten wieder aufgetaut. Deshalb war es ziemlich teuer und die Qualitaet war auch nicht unbedingt berauschend. Doch jetzt kommt die meiste Ware aus Argentinien und inzwischen ist Obst und Gemuese sehr viel frischer und guenstiger. Trotzdem sprueht die Kueche hier unten nicht unbedingt vor Rafinesse. Pta. Arenas ist zwar ein Hafen und es gibt sehr viel Fisch, doch das Meiste wird exportiert. Bei meiner Gastfamilie gibt es immer SEHR viel Fleisch. Und sehr viel Torte. Wenn man bei uns den Kuehlschrank aufmacht, kann das schon mal so aussehen:

Die Chilenen lieben naemlich alles, was suess ist. Vor Allem riesige Sahnetorten, kleine Gebaeckstueckchen, Eis (trotz der Kaelte gibt es Unmengen von Eisstaenden!) und suesse Getraenke. Darum leiden auch sehr viele Chilenen unter Uebergewicht und leider auch viele unter Diabetis. Eigentlich stehe ich ja auch verstaerkt auf alles Suesse, aber seitdem ich hier bin, laechze ich nach Herzhaftem. Was mich hier sehr gewundert hat, ist dass es hier nur Instant Kaffee gibt. Egal wo man hinkommt, bekommt man heisses Wasser mit Kaffeepulver! Im Supermarkt musste ich richtig suchen, um vernuenftigen gemahlenen Kaffee zu finden. Und das in Sued Amerika!
Neben Andrea und mir gibt es hier noch ca. zehn andere Volontaere, die aus England, Deutschland, Oesterreich und der Schweiz kommen. Die meisten arbeiten im Kindergarten oder in anderen Schulen. In meiner Schule arbeitet nur noch Thomas, aus England, der jetzt am Montag allerdings schon wieder abreist. Unsere Lieblingsbeschaeftigung im Moment ist Poker! Hier sind noch ein paar Schnappschuesse aus unserem Leben, nach der Schule.




Vor ein paar Tagen wurden Thomas und ich von einer der Englisch Lehrerinnen eingeladen. Wir kamen um 17:00, was die typische Zeit fuer den "once" (elf) ist. Man trinkt Tee oder Kaffee, isst ein Stueckchen Kuchen oder eine Scheibe Brot. Keiner konnte mir erklaeren, warum diese Mahlzeit, die man um 17:00 zu sich nimmt, gerade ELF genannt wird. Aber es gibt viele Geruechte! Eines besagt, dass "once" ein Code sei fuer den Schnaps hierbabuena, ein Wort mit ELF Buchstaben. Aha! Vielleicht haben vor vielen Jahren die Damen der feinen Gesellschaft statt ihres five-o'clock-teas, hierbabuena in ihren Tassen gehabt, und haben dieses mit Hilfe des Codes "once" gut verheimlichen koennen. Oder Arbeiter einer hierbabuena Fabrik goennten sich oefter mal nach Feierabend ein Glaeschen hierbabuena und nannten es ONCE, damit ihr Chef nicht dahinter kam. Man weiss es nicht, aber ich finde es ziemlich spannend und man kann sich bestimmt noch viele andere Erklaerungen fuer die Bedeutung des Once einfallen lassen. Nachdem wir uns also once gegoennt hatten, haben wir fuer diese Lehrerin Englische Dialoge auf Kasette aufgenommen, die sie fuer ihren Englisch Unterricht benutzten moechte. Thomas und ich sind somit als Unterrichtsmaterial nun am Ende der Welt verewigt worden.

Leider vergeht die Zeit hier viel zu schnell und ich kann kaum glauben, dass mehr als die Haelfte meines Aufenthalts schon vorbei ist. Chile ist wirklich ein spannendes Land, es gibt hier einfach Alles: Wuesten und Hitze im Norden, Seen und Waelder in der "Mitte" (sozusagen) und das ewige Eis im Sueden. Der Teil der Chilenischen Antarktik ist uebrigens zweimal so gross, wie das Land selbst. Die Chilenen in Santiago behaupten, dass die Hauptstadt der Mittelpunkt des Landes sei. Doch die Menschen hier unten in Pta. Arenas beschwoeren, dass ihre Stadt die Mitte des Landes bildet. Denn wenn man auf der Landkarte den antarktische Teil des Landes beruecksichtigt, liegt Punta Arenas tatsaechlich in der Mitte. Leider sind die Ozon Werte in Punta Arenas sehr hoch und manchmal wobbelt das Ozonloch direkt ueber der Stadt. Das hat schon dazu gefuehrt, dass viele Tiere blind oder krank werden, und dass man sehr viele abgestorbene Baeume sieht. Also muss man hier wirklich jeden Tag Sonnencreme benutzen!

Chile ist unterteilt in 12 Regionen, die einfach nur nummeriert sind (was ich nicht sehr kreativ finde). Punta Arenas liegt in der 12. Region, die auch "Region de Magallanes y de la Antarctica Chilena" genannt wird. Eine Reise in die Antarktik waere natuerlich auch noch ein Traum von mir, aber da jetzt der Winter beginnt und das Wetter schlechter wird, wird es immer schwieriger und teuerer dorthin zu kommen. Ich koennte natuerlich noch mal bei der Chilenischen Luftwaffe anfragen, aber ich weiss nicht wie spontan die sind.


Das hier sind Fotos von der Universitaet in Punta Arenas. Die Uni hat nur 1000 Studenten! Man kann auch nicht alles studieren, soweit ich weiss nur Lehramt, Maschinenbau, Sprachen, Krankengymnastik (ja) und noch ein paar Studiengaenge, an die ich mich nicht mehr richtig erninnere. Im Moment sind sie aber dabei, die Uni um ein Vielfaches zu erweitern. Ich glaube, hierher kommt kaum jemand freiwillig zum studieren. Da es hier so kalt und ungemuetlich ist. Wer die Wahl hat, sucht sich eher eine Uni im Norden aus.
Eine Freundin von mir, Macarena. die hier studiert, hat mir vor ein paar Tagen eine kleine Tour duch die Uni gegeben. Wir sassen auf dem Flug von Santiago nach Punta Arenas nebeneinander, so haben wir uns kennengelernt und angefreundet. Da ihr Vater bei der Marine ist, hat sie schon ueberall in Chile gelebt, sogar fuenf Jahre auf den Oster Inseln, und wusste nicht mal, dass man dort leben koennte! Aber dort gibt es eine Schule, eine richtige Infrastruktur und alles, was man zum leben braucht. Sie hat mir erzaehlt, dass sie sich hier in Pta. Arenas sogar isolierter fuehlt als damals auf den Oster Inseln.

Saturday, March 25, 2006

Kuhstall

Wenn ihr diese Bilder seht, werden manche von Euch sehr wahrscheinlich denken "Was macht Alena eigentlich im Kuhstall?" Ehrlich gesagt, weiss ich es auch nicht so genau, es hat sich einfach ergeben.
Als ich letzte Woche mit meinem kleinen Pferde Gaucho ausreiten war, kamen wir an einem Kuhstall vorbei. Der Kuhbauer war auch gerade da, und als ich ihn fragte, ob ich mir seine Molkerei anschauen koennte, haben wir spontan einen Termin fuer die naechste Woche ausgemacht.
Ich bin zwar nicht der Kuh- oder Bauernhof-Fan schlechthin, aber da sich die Moeglichkeit anbot, mein letzter Estancia Aufenthalt sehr traurig war und ich wahrscheinlich nie wieder Kuehe am Ende der Welt beim Melken zu sehen wuerde, habe ich die Chance genutzt.
Also bin ich letzten Freitag - diesmal mit drei Gauchos - zu diesem Kuhstall geritten. Der ist mit 40 Kuehen relativ klein (glaube ich, ich kenne mich mit den Kuhstall Dimensionen nicht so gut aus) und seit drei Generationen in der Familie.
Die Baeuerin, Adriana, hat mich noch von ihrem selbstgemachten Kaese probieren lassen, den ich komplett haette aufessen koennen, auch ohne Brot, so lecker war er. Einen Teil der Milch behaelt die Familie fuer sich aber das meiste wird an eine Frau verkauft die daraus Kaese macht.
Adriana hat mir erzaehlt, dass ihr Uropa aus Deutschland kam und sich in Santiago niederliess. Als ihr Opa dann eine Chilenin heiratete, wurde er von seiner Familie verstossen und ist quasi nach Pta. Arenas geflohen, wo Adriana auch aufwuchs. Ihr Maedchenname ist Schneider.
Ich dachte zuerst in dem Stall wuerde es nach Kuhschiete riechen, aber das war gar nicht der Fall. In der Luft hing die ganze Zeit so ein angenehmer Duft von warmer Milch. Sie liessen mich auch die Milch probieren, die Adrianas Mann, Marco, gerade frisch vom Euter in den Becher gezapft hatte. So frische Milch hatte ich bis dahin noch nie probiert, und ich war vollkommen begeistert: Die Milch war leicht warm, obendrauf lag leichter Schaum, weil es so frisch war und es war koestlich kremig!

In disem Stall haben sie eine einzige Melkmaschiene, mit der sie die Kuehe alle nacheinander melken muessen. Es ist aus dem Jahr 1934 und uebrigens aus Deutschland! Da hat sich die gute deutsche Wertarbeit schon recht lange bewaehrt.
Da mein letzter Besuch auf einer Estancia ja ziemlich enttaeuschend war, war ich umso gluecklicher mit meinem kleinen Erlebnis in einem magallanischen Kuhstall!

Monday, March 20, 2006

19.03.2006, Estancia Rio de los Ciervos

Noche, nieve y arena hacen la forma de mi patria delgada, todo el silencio está en su larga línea.
Nacht und Schnee und Sand bilden die Gestalt meines schmalen Landes, alles Schweigen ist in seiner endlosen Linie.

Pablo Neruda, aus "Descubridores de Chile", 1950
Ende des 18. Jahrhunderts kamen viele Europaer nach Patagonien, vor Allem siedelten sich viele englische, deutsche, spanische und kroatische Familien an, die sich der Schafzucht verschrieben. Denn hier gibt es riesengrosse Steppen und sehr flaches Land, das sich dafuer sehr anbot. Die Schafe wurden allerdings von den Falkland Inseln in die Region Magallanes gebracht, da die heimischen chilenischen Schafe mit dem Klima hier unten nicht so gut zurecht kamen.
Wolle hat hier also eine lange Tradition und wird immer noch in grossen Mengen exportiert. Damals enstanden grosse Hoefe (Estancias) mit prunkvollen Gutshaeusern. Viele von diesen kann man sich immer noch anschauen.
Weil die Schafzucht so ein grosser Teil der Kultur Patagoniens ist, wollte ich mir unbedingt so eine Estancia anschauen. Genial waere es natuerlich gewesen, wenn ich sogar die Schafschur miterlebt haette. Aber die Schafe werden erst wieder im November/ Dezember geschoren. So lange wollte und konnte ich nicht warten. Aber eine typische Estancia wollte ich mindestens besuchen.
Also habe ich mich auf den Weg zu meinem Stamm-Reisebuero hier in Pta. Arenas gemacht (wo sie mich inzwischen schon gut kennen) und ihnen von meiner Idee erzaehlt.
Schliesschlich sollte ich Sonntag morgen abgeholt werden. Auf mich wartete eine Fuehrung auf der Estancia, ein Mittagessen (Lamm, natuerlich) und ein 4 Std. Ausritt.
Ich war schon so gespannt auf diesen Besuch und die Vorfreude war riesig. Leider wich der Vorfreude schnell Enttaeuschung, die immer groesser wurde, je laenger ich auf dieser Estancia war: Aus dem grossen Hof war inzwischen ein Hotel geworden! Die Besitzer bemuehten sich, dem Ganzen einen Museums-Touch zu geben. Es hingen viele alte Photos von der Familie im Haus, man konnte die ehemalige Schmiede sehen, wo noch ein paar Hufeisen an der Wand hingen.
Ich war endlos enttaeuscht. Das entsprach wirklich nicht meinen Erwartungen. Ich fragte nach den Schafen- keine Schafe. Huehner? -No! Vielleicht ein paar Schweine? - Fehlanziege. Kann man sich eventuell ehemalige Staelle anschauen? - Die hatten sich inzwischen in ein Restaurant verwandelt.
Die Fuehrung ueber den Hof, auf die ich mich so gefreut hatte, bestand darin, dass mir die Hotelzimmer gezeigt wurden!
Man kann schon sagen, dass es wirklich ein schoenes Hotel ist, und dass die Besitzer sich Muehe geben es authentisch aussehen zu lassen. Aber es war nicht das, was ich gerne sehen wollte. Ich hatte gehofft einen richtig urige, typische chilenische Estancia zu sehen. Wo die Bauern mit Laemmern unter dem Arm herumlaufen, wo man durch Mist gehen muss, wo die Pferde wiehern und man vielleicht sogar noch mit der Familie zusammen essen kann und etwas ueber ihre eigene Geschichte erfaehrt.
Zumindest war das Mittagessen ziemlich lecker. Es gab Lamm mit Kartoffeln. Danach sollte ich mit zwei Gauchos ausreiten. Und das war wirklich super! Der Aeltere konnte mir ganz viel ueber die Gegend erzaehlen und wie es frueher auf diesem Hof zuging.
Dann haben wir sogar noch eine Kuhherde (Kuehe hatten sie wenigstens noch. Es schien mir wie ein mittelgrosses Wunder!) von einer Weide auf eine andere gebracht, was bestimmt 1, 5 Std. gedauert hat. Ich war gluecklich!
Es war eine wunderschoene Landschaft und der Himmel war so blau, wie ich ihn selten gesehen habe. Wir haben wilde Pferde gesehen (wovon es hier immer noch viele gibt) und kamen an einer Lagune vorbei. Und eine Geier-Art haben wir gesehen, die hungrig ueber tote Tiere herfiel (manchmal passiert es, dass eine Kuh stirbt, dann wird sie einfach auf der Weide liegen gelassen).
Eigentlich ist das Wort "Weide" untertrieben, es waren eher kilometerlange Steppen, die menschenleer waren.



Als wir nach 4 Std. wieder zu der Estancia kamen und ich abstieg, war ich ueberzeugt mein Leben lang O-Beine zu behalten. Und ich entdeckte Muskeln, von denen ich noch gar nichts wusste. Eigentlich wollte ich gleich abends noch ins Internet Café gehen, um alles aufzuschreiben, was ich erlebt hatte. Aber ich war nicht mehr im Stande meine Knochen dorthin zu befoerdern.
Zum Schluss war ich ueber diesen Tag doch sehr gluecklich und naechsten Freitag gehe ich vielleicht nochmal mit meinem kleinen Gaucho ausreiten.

Wednesday, March 15, 2006

Liceo Comercial - Die Schule

Ich muss zugeben, dass ich etwas nervoes war hier zu unterrichten. Denn ich hatte gehoert, dass in einer Klasse durchschnittlich 45 Kinder sitzen. Das ist eine Menge Kinder und es war auch keine Fehlinformation!
Aber daran gewoehnt man sich nach einer Weile. Ich finde es nur Schade weil es immer sehr unruhig ist und man kaum auf einzelne Schueler eingehen kann. Aber es kommt auch haeufig vor, dass wir die Klassen teilen, wenn mehr Lehrer da sind, und dann ist es nur noch halb so schlimm.
Trotzdem geniesse ich das Unterrichten hier sehr. Meine Schueler sind zwischen 14 und 16 und ich glaube, dass sie es ganz spannend finden, dass ich aus einem anderen Land komme, das so weit weg ist. Jedenfalls stellen sie mir immer ganz viele Fragen ueber Deutschland und wollen wissen wie es dort aussieht.
In den ersten Stunden wurde ich allerdings immer nur gefragt, ob ich einen Freund haette und wo der denn jetzt sei, und ob ich ihnen die Nummer von Thomas geben koennte (ein anderer Volontaer, der aus England kommt.).
Inzwischen haben wir uns ganz gut kennengelernt und mir macht es echt Spass.

Obwohl mein erster Tag eher etwas frustriedend war! Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Kinder hier sooo wenig Englisch Kenntnisse haben wuerden! Sie hatten schon ihre Schwierigkeiten bei "Nice to meet you"!!! Da wusste ich gar nicht, wo ich anfangen sollte.
Ich glaube, dass sie hier auch einfach sehr wenig Motivation haben, Englisch zu lernen. Denn egal wohin sie von hier aus reisen, mit grosser Wahrscheinlichkeit wird immer noch Spanisch gesprochen. Da Pta. Arenas ziemlich isoliert ist, kommen die meisten Kinder hier sowieso nicht richitg raus. Vielleicht haben sie deshalb keine grosse Motivation die Sprache zu lernen.

Punta Arenas -Die Stadt

"Doch all dies hatte keinen Einfluss auf mich, oder zumindest nicht genug, um meinen sehnlichsten Wunsch zu baendigen, der mir anhaftete wie eine chronische Krankheit: Ich wollte die Welt sehen."
Daniel Defoe, "Das Leben und die seltsamen Abendteuer des Robinson Crusoe"
Die Stadt wurde 1848 gegruendet. Ist fuer Europaeische Verhaeltnisse also noch recht juenglich. Obwohl es hier im Sueden die groesste Stadt ist, wohnen hier nur ca. 110.000 Menschen. Sie liegt direkt an der Magallanes Strasse und zu der Antarktik sind es nur noch ca. 950km. Deshalb ist es hier auch immer sehr windig und frostig und wenn man morgens aus dem Haus geht muss man wettertechnisch mit Allem rechnen. Aber es ist recht gemuetlich und ich habe mich hier von Anfang an wohlgefuehlt.

Auf dem groessten Platz der Stadt- "Plaza de Armas"- steht dieser kleine Strahlemann.


Man sagt, dass man ihm den Fuss kuessen muss, dann wird man wieder kommen. Das ist auch der Grund warum sein Fuesschen schon so blank poliert ist. Ich habe ihn nicht gekuesst.

Dann gibt es in der Stadt noch viele huebsche Kirchen und alte Gebaeude, die zum groessten Teil von den Familien Braun und Menédez gebaut wurden. Diese Familien haben auch vor vielen Jahren der Stadt den riesigen und prunkvollen Friedhof gespendet. Der Friedhof ist total interessant denn man kann sehr viele Greaber von Englischen, Deutschen, Hollaendischen oder Jugoslawischen Familien finden. Oder auch Graeber die einer ganzen Schiffsmannschaft gedenken. Manche Graeber sind sogar ganz auf Deutsch.


Es gab drei sehr maechtige Familie hier, die Millionen mit dem Export von Schafwolle verdient haben. Eine dieser Familien kam aus Deutschland (Braun), eine andere aus Spanien (Menédez) und die dritte kam aus Portugal (an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere).
Sie haben sehr viel Gutes fuer die Stadt getan und sind hier wohl immer noch sehr geschaetzt, viele Strassen sind nach ihnen benannt. Aber sie waren auch wie eine Mafia und haben eine sehr blutige Vergangenheit.
Fuer ihr Vermoegen mussten hunderte von Indios nicht nur ihr Land sondern auch ihr Leben hergeben. Es zogen sogenannte "Jaeger" los um Indios zu toeten. Wer die meisten umbrachte, bekam die groesste Praemie.
Ihre prunkvollen Haeuser hier in der Stadt sind jetzt Museen. Einge Chilenen habe ich schon auf diese Familien angesprochen, und jedes Mal habe ich gemerckt, dass sie wirklich immer noch sehr verehrt werden.

Tuesday, March 14, 2006

Mi familia chilena

Hier in Pta. Arenas wohne ich bei einer chilenischen Familie, die mir ueber die Organisation zugeteilt wurde. Das Haus ist mitten im Zentrum und zu meiner Schule brauche ich zu Fuss nur ca. 15 min.
Meine kleine Familie hier besteht aus Raquel, meiner Gastmutter.
Ich wuerde sie so auf 60 schaetzen, aber ich glaube sie ist juenger. Normalerweise wohnt noch ihre Mutter im Haus, doch die ist gerade irgendwo im Urlaub. Obwohl ich glaube, dass sie eher fuer laengere Zeit zu Verwandten geschickt wurde.
Ernesto, Raquels Mann arbeitet in Feuerland in der Petrolium Produktion. Er ist immer fuer 14 Tage dort und dann 14 Tage wieder hier. Heute ist er wieder gekommen, deswegen habe ich ihn gerade erst kennengelernt. Ein SEHR gespraechiger Mann aber wirklich sehr liebenswert. Mit mir wohnen noch eine Schweizerin, Andrea, und Kathy aus England. Die auch als Volontaere hier arbeiten.
Raquel backt sehr gerne und auch ziemlich gut. Gestern abend gab es schon so kleine Kuechlein, Pastellchen und Kekschen. Das schuechtert den Murica-Speck nicht unbedingt ein! Mist! Aber ich habe mir hier ernsthaft vorgenommen joggen zu gehen. Denn irgenwas muss ich hier machen, wenn der Speck sich verabschieden soll.
Raquel und Ernesto haben noch zwei Soehne aber die sind schon etwas aelter und haben schon ihre eigene Familie.
Raquel gibt sich wirklich viel Muehe, dass wir uns hier auch ganz zuhause fuehlen. Sie hatte mir mal erzaehlt, dass sie sich immer Toechter gewuenscht hatte. Ich glaube, die Volontaerinnen, die regelmaessig bei ihr wohnen sind vielleicht so eine Art Ersatz fuer sie. Jedenfalls erklaere ich mir so, warum sie sich so sehr um uns bemueht.


Ich fuehle mich zumindest sehr wohl in meinem, kleinen, neuen Zuhause.

Monday, March 13, 2006

Los Torres del Paine

Letztes Wochenende bin ich in den groesten National Park Sued Amerikas gefahren: zu den Torres del Paine. "Paine" heisst in der Sprache der Eingeborenen hier "Blau", da diese Berge manchmal blau schimmern.
Erst musste ich allerdings von Pta. Arenas, Richtung Norden, nach Puerto Natales fahren. Dort hatte ich dann den ganzen Tag frei, denn erst am naechsten Morgen wurde ich abgeholt um in den National Park zu fahren.
Ich hatte gehoert, dass die Argentinische Grenze nur 30 km entfernt sein sollte, deshalb dachte ich mir "das schau ich mir doch mal an". Doch dies erwies sich schwieriger, als ich dachte: Der erste Taxifahrer den ich fragte (es konnte hoechsten 2Euro kosten an die Grenze zu fahren), wollte mich zwar gerne hinfahren. Doch er war ausser Landes verwiesen worden und konnte fuer die naechsten 30 Tage nicht mehr nach Argentinien einreisen. Die Gruende fuer die Bestrafung wollte er mir nicht nennen. War vielleicht auch besser so.
Der naechste Taxifahrer verlangte fuer diese relativ kurze Fahrt ca. 30 Euro. Was mir ein bisschen uebertrieben schien.


Dann wollte ich mir ein Auto mieten. In diesem winzigen Ort gab es nur eine einzige Autovermietung und die konnten mir nur riesige Pick-ups oder Wohnmobile vermieten fuer 80 Dollar. Ich glaube dieses Doerfchen hatte sich gegen mich verschworen. Ich wollte doch nur diese paar km zur Grenze fahren! Schliesslich konnte ich einen Bus auftreiben der zu einem Oertchen in Argentinien fuhr mit dem malerischen Namen "Rio Turbio". In einer halben Stunde sollte es losgehen. Wunderbar! Meinen Reisepass hatte ich auch dabei. Nur als ich mir das Ticket kaufen wollte fragte mich die Gute Frau, wo meine Migrations Karte sei. "?" Hatte ich natuerlich nicht dabei. Also musste ich nochmal durch das Doerfchen zu der Polizei Station stiefeln.
Es gab nur einen einzigen Polizisten und ich glaube, der freute sich richtig, dass es in diesem verlassenen Ort mal wieder etwas zu tun gab. Und er fuellte mir freudestrahlend meine Migrations Karte aus, die er noch mit vielen wichtigen und riesigen Stempeln verzierte. So, nun konnte es wirklich los gehen!

Die Fahrt war wirklich nicht lang. Das einzige was lange dauerte war das Ausreisen aus Chile und dann das Einreisen in Argentinien. Der Grenzuebergang nach Argentinien hiess "Ultima Esperanza" - genauso fuehlte ich mich auch. Aber nach 1, 5 war ich dann in diesem besagten Ort "Rio Turbio".
Zumindest dachte ich, dass es hier einen schoenen Rio gebe, den man sich anschauen koennte. Aber das war wohl ein Irrtum. Dieses Dorf hiess lediglich so. Und es gab absolut NICHTS zu sehen! Und jetzt musste ich dort 4 Stunden ausharren, bis der Bus wieder zurueckfuhr. Es war ein winziges Dorf mit 2 Cafes, wo den den ganzen Tag nur Alkoholiker rumhangen, weil es sonst nichts zu tun gibt. Die ganze Zeit die ich dort war hatte es nur geregnet und es war wirklich eine sehr trostlose Gegend. Es gab kaum Leute auf der Strasse. Ich glaube die gehen alle nur vor die Tuer, wenn es notwendig ist.
Die Fahrt nach Pto Natales war wenigstens unheimlich schoen. Aber es war auch eine sehr herbe und karge Gegend. Man konnte kilometerweit schauen ohne einen einzigen Baum zu sehen. Es gab nur Gestruepp und Buesche. Viele Shafe, Ziegen und ich habe auch Strausse und Gaunakos gesehen. Die sind sehr interessant, denn die koennen in einer Gegend leben, in der es niemals regnet, da sie sich von Pflanzen ernaehren die den Morgentau speichern.

Am naechsten morgen ging es dann ganz frueh in den National Park. Es war eine lange Fahrt aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Die beiden Torres sind durch die Bewegungen der Gletscher entstanden, die es dort immer noch gibt. Sie sind tatsaechlich zweifarbig, aufgrund der verschiedenen Gesteinsschichten.


Ich hatte einen super netten Fuehrer, Christian, und einen Fahrer, Juan, den auch die tiefsten Schlagloecher und abendteuerlich gefaehrliche Haengebruecken nicht einschuechtern konnten.

Wir sahen wieder Gaunakos, graue Fuechse, Flamingos, wilde Pferde und verschiedene besondere Voegel, an deren Namen ich mich natuerlich nicht mehr erinnere.


Bei diesen unglaublichen Dimensionen der Gletscher und Berge fuehlte ich mich wirklich ganz unbedeutend klein. Es war eine abendteuerliche Fahrt.

La Isla Magdalena



Nach ein paar Tagen in Pta. Arenas habe ich mich auf den Weg zu einer Pinguin Kolonie gemacht. Mit der Faehre musste man ca. 2 Std. fahren. Allein die Fahrt auf der Magallanes Strasse fand ich schon spannend.

Auf der Insel wimmelte es nur so von Pinguinen. Es war auch ganz interessant, denn die haben gerade Balz-Zeit, deshalb sah man auf der ganzen Insel verstreut die Pinguine balzen.


Die Insel war so klein, dass man in einer Stunde einmal ganz rumgehen konnte.